VOCK YOU! - ich gegen das Leben

Vor kurzem traf ich einen ehemaligen Kollegen. Noch bevor man die üblichen Begrüßungsfloskeln ausgetauscht hatte, entspann sich folgender Dialog: Er: «Hab mir deinen Blog angesehen. Finde ihn zu lang.» Ich: «Haste denn mal was gelesen?» Er: «Nö.» Ich: «Na dann.» Die Wege trennten sich.

Das Leben scheint bisweilen seiner ganz eigenen Logik zu folgen und das nicht immer zu meinem Behagen. So gibt es eine verblüffende Verbindung zwischen dem Sinngehalt und dem Vergnügen einer Sache. Anders formuliert: Alles was vernünftig ist, macht keinen Spaß.

Die Menschheit hat viele großartige Erfindungen gemacht. Die Fußbodenheizung zum Beispiel. Oder die Zahnseide. Eine großartige Errungenschaft wird aber im Alltag gerne übersehen: die Evolutionäre Erkenntnistheorie. Das Tolle an ihr: Sie könnte uns von den schlimmsten Übeln der Gegenwart befreien.

In meiner Kindheit gab es für mich zwei große Konstanten, die mir, jede auf ihre Weise, eine gewisse Sicherheit vorgaukelten. Die eine war Helmut Kohl. Ich konnte jeden Abend davon ausgehen, dass, wenn ich am nächsten Morgen erwachte, er immer noch Kanzler war. Die andere Konstante war die Dame aus der Fernsehwerbung, die gerade ihre Hände in Spülmittel badete. Wie ich heute weiß, kann selbst Helmut Kohl nicht immer Kanzler sein und auch die andere Konstante hat mich inzwischen im Stich gelassen.

Dirk Nowitzki ist ein Superstar, ein Ausnahmetalent, ein Könner, einer, der die Gegner das Fürchten lehrt. Ein Körbeversenker par excellence, ein Gott von der Freiwurflinie. Der beste Basketballspieler der Welt. Mehr geht nicht. Doch was, wenn alles ganz anders gekommen wäre?

Die Wissenschaft ist … naja, eben eine Wissenschaft für sich. Sie hat uns viele Dinge erklärt. So kennen wir dank ihr den Unterschied zwischen primordialer und stellarer Nukleosynthese oder wissen, wie man Toilettenpapier so flauschig weich bekommt. Bei manchen Fragen sind aber selbst Wissenschaftler immer noch ahnungslos.

«Fahr vorsichtig!» Wenn die Frau Mama uns mit diesen Worten nach einem Besuch bei ihr auf die Autobahn verabschiedet, dann sind diese Worte mehr Ausdruck mütterlicher Zuneigung als ein ernstgemeinter Ratschlag. Ansonsten müsste man nämlich sagen: «Ach was? Guter Tipp. Wollte eigentlich ausgerechnet heute unvorsichtig fahren.»

Was haben Schneeglöckchen und Klobürsten miteinander zu tun? Eigentlich nichts, denkt man, aber genau darin liegt der Fehler. Denn mit ein bisschen mehr Phantasie könnte die Welt so viel besser sein – oder im Chaos versinken. Es kommt eben immer darauf an, was man womit verbindet.

Die Welt ist voller Tücken und Fallstricke. Doch manchmal machen wir uns das Leben auch selbst schwer. Wie zum Beispiel mit Brainstorming, der quasselnden Bankrotterklärung an den menschlichen Verstand. Brainstorming rangiert unter den Übeln dieser Welt gleich hinter organisierter Kriminalität und morgentlichem Auswurf. Und damit herzlich willkommen bei «Vock You!», dem neuen wöchentlichen Blog von news.de.

Zur Person
Christian Vock

Christian Vock


Freier Journalist und Perfektionist qua Geburt. Ob öffentlicher Nahverkehr, sinnloser Smalltalk oder die Unzulänglichkeiten des menschlichen Körpers - überall dort, wo das Leben schludert, regiert bei ihm Unbehagen. Dem Dasein begegnet er mit Misstrauen - und in diesem Blog.