VOCK YOU! - ich gegen das Leben

An einem nasskalten Dezembermorgen dieses Jahres hatte ich die Gelegenheit, auf einer Kirmes in Uelzen eine Wahrsagerin zu konsultieren. Was ich dort in der Kugel der Wahrsagerin für das Jahr 2012 gesehen habe, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Eines Abends wollte ich gerade Altglas wegbringen, als ich am Flaschencontainer zwei Gestalten stehen sah. Die beiden sahen irgendwie seltsam aus. Der eine hatte sich als Flughörnchen oder so etwas verkleidet, der andere trug einen knallengen Einteiler mit einem roten S auf der Brust. Zuerst wollte ich die Polizei rufen – man weiß ja nie – doch dann schlich ich mich an die beiden heran, die anscheinend in ein Gespräch vertieft waren.

Ich stehe Essenseinladungen von anderen Menschen skeptisch gegenüber. Nicht, dass ich etwas gegen Essen an sich hätte. Ich halte das für durchaus sinnvoll, gerne auch im Beisein anderer. Nein, Unbehagen bei einer Essenseinladung bereitet mir eine ganz besondere Spezies Mensch. Denn dort, wo es etwas zu essen gibt, da ist einer nicht weit: der Weinkenner.

Der Mensch ist ein unstetes Wesen. Also natürlich bleibt der Mensch immer Mensch, das wäre ja noch schöner. Dennoch kann der Mensch sein Verhalten verschiedenen Situationen anpassen. Das hat ihm das Überleben gesichert. Heute ist das aber vor allem eines: lästig.

Ich fühle mich überfordert. Nicht bei einer bestimmten Sache. Einzelne Aufgaben bewältige ich oft mühelos. Manche sogar mit einer gewissen Nonchalance. Oft auch schwierige Aufgaben. Nein, meine Überforderung rührt aus einem allgemeinen Gefühl heraus, dass die Welt um mich herum zu kompliziert geworden ist. Das mit der Kompliziertheit begann, als der Mensch es möglichst einfach haben wollte.

Ich kenne Udo Lindenberg nicht. Das heißt, natürlich kenne ich ihn. Wir wurden einander nur nie vorgestellt. Glaubt man seinen Kollegen, so ist Herr Lindenberg ein sehr netter Mensch. Die meisten von ihnen würden sogar sagen, Udo Lindenberg sei Kult. Ich glaube, genau das ist sein Problem.

Vor einigen Tagen passte ich auf den kleinen Jungen eines befreundeten Paares auf. Als die Eltern den Kleinen wieder abholten, fragte die Mutter, was ich denn von dem Rabauken hielte. «Nettes Kerlchen», antwortete ich. «Sehr lustig, hat viel gespielt. Aber ein bisschen dumm ist er schon.»

Ich habe ans Alter gedacht. Nicht an irgendeines, sondern an mein eigenes. Richtig wohl war mir nicht dabei. Journalist ist kein Beruf für das Leben nach dem Beruf. Ich werde mich deshalb umorientieren. Irgendetwas, bei dem man auch im Alter noch etwas vom Leben hat. Daher mein Beschluss: Ich werde Prominenter.

Seit einigen Tagen steht der Fußball wieder unter Beschuss. Angeblich habe der Fußballsport ein Gewaltproblem, immer wieder würde in den Stadien randaliert. Ich halte das für völlig überzogen und möchte hier und heute eine Lanze für den zu Unrecht diskriminierten Fußballrandalierer brechen.

Sind wir doch mal ehrlich, was hätten wir nur ohne die Evolution gemacht. Erst durch die Evolution können wir überhaupt denken, auch wenn man das bei dem ein oder anderen nicht sofort bemerkt. Auf eine Fähigkeit, die wir der Evolution verdanken, bin ich auch persönlich ganz besonders stolz.

Zur Person
Christian Vock

Christian Vock


Freier Journalist und Perfektionist qua Geburt. Ob öffentlicher Nahverkehr, sinnloser Smalltalk oder die Unzulänglichkeiten des menschlichen Körpers - überall dort, wo das Leben schludert, regiert bei ihm Unbehagen. Dem Dasein begegnet er mit Misstrauen - und in diesem Blog.