Wer nicht das Glück hat, in der Organisierten Kriminalität oder in der Politik zu arbeiten, der kommt auf dem Arbeitsmarkt oft nicht ohne Bewerbungen aus. Ich denke, das ist der falsche Weg.

Ich arbeite nicht in der Organisierten Kriminalität. Nicht einmal in der Unorganisierten. Ich weiß es nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Mafiosi sich mit Bewerbungsunterlagen nebst Motivationsschreiben um einen Posten als, sagen wir einmal, Schutzgeldeintreiber bewerben müssen. Zumindest habe ich in der Zeitung noch nie eine diesbezügliche Stellenausschreibung gesehen. Ich denke, in dieser Branche ist es auch schwer, an Arbeitszeugnisse zu kommen. Ich glaube, die meisten Posten in der Organisierten Kriminalität werden unter der Hand vergeben. Über Beziehungen.

Für die meisten von uns ist es dagegen notwendig, sich mit den üblichen Bewerbungsunterlagen auf eine Stelle zu bewerben. Da gilt es, so sagen es Bewerbungsratgeber und der gesunde Menschenverstand, schon mit dem Lebenslauf eine möglichst gute Figur zu machen. Dabei passt der doch in den meisten Fällen überhaupt nicht zu der Stellenbeschreibung.

Die durchschnittliche Stellenausschreibung hat, so meine Meinung, mit der Realität nur wenig zu tun. Die durchschnittliche Stellenausschreibung verlangt nach meinem Ermessen meist Übermenschliches von den Menschen. Da muss der Leuchtturmwächter von Langeoog plötzlich ein «Teamplayer» sein und bei der Reinigungskraft wären «Kenntnisse in mindestens einer weiteren Fremdsprache von Vorteil».

Wahrscheinlich denken sich Personalchefs: «Schreiben wir einfach mal alles rein in die Anzeige, am Ende nehmen wir den, der am wenigsten nicht erfüllt.» Dementsprechend reagiert der Jobsuchende ganz instinktiv: Er lügt das Blaue vom Himmel herunter. Da wird dann Teamfähigkeit und kulturelle Kompetenz angegeben, nur weil man in der dritten Klasse einmal bei der Weihnachtsaufführung den Hirten spielen durfte.

Für mich ist es zu spät, meinen Lebenslauf aufzuhübschen, mein Kind soll es aber einmal besser haben bei der Jobsuche. Deshalb werde ich mein Kind darauf vorbereiten, dass es im Berufseintrittsalter auch die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. Dazu gilt es natürlich die Märkte zu beobachten. Anfangen werde ich mit den Grundanforderungen, die immer gefragt sind: Auslandserfahrung und Fremdsprachenkenntnisse. Ich werde mein Kind also in einem argentinischen Kindergarten anmelden, in dem die Kinder in drei zusätzlichen Fremdsprachen erzogen werden.

Nebenbei werde ich darauf achten, dass seine sozialen Fähigkeiten nicht vernachlässigt werden. Deshalb wird mein Kind nach dem Kindergarten auch auf freiwilliger Basis in einem Altenheim seinen Dienst tun. Ich denke, mit vier Jahren ist es dann soweit, eine Banklehre zu machen, damit es für den Fall der Fälle etwas Solides als Grundlage hat.

Die Schule werde ich nach meinen Maßstäben aussuchen – und die sind hoch: Es muss eine anthroposophische Schule sein mit einem Hauch Waldorf, aber nicht zu antiautoritär. Stattdessen einen streng naturwissenschaftlichen und selbstredend einen musikalischen Zweig, schließlich sind Biologie und Musik das neue Geschichte und Latein. Dass mein Kind von der sechsten Klasse an die Fremdsprachen fünf und sechs lernt, ich glaube, darüber müssen wir nicht sprechen.

Ebenso wenig wie über die Tatsache, dass mein Kind mit spätestens sieben Jahren sämtliche Computerprogramme aus dem Effeff beherrscht. Ich denke es ist ein Wettbewerbsvorteil, wenn mein Kind die entsprechenden Programme vielleicht besser selbst erfindet, damit es Konkurrenten mit ähnlichen Kenntnissen noch überflügeln kann.

Ich werde zusätzlich darauf achten, dass die Schule meiner Wahl die Sportlichkeit meines Kindes fördert, schließlich werden gesund wirkende Menschen bei Bewerbungen bevorzugt. Außerdem muss die Schule die Möglichkeit eines Schüleraustausches bieten. Am besten mit Ulaanbaatar. Man sagt, der nordmittelostasiatische Bereich sei im Kommen. Damit hätte mein Kind im Berufseintrittsalter die wirklich besten Karten. Ich hoffe, mein Kind wirkt dann bei Bewerbungsgesprächen nicht überqualifiziert.

Apropos schlechte Überleitung: Manchmal habe ich das Gefühl, Personalchefs wollen bei der Bewerbung belogen werden. Versuchen Sie das mal bei einem Mafioso.

Share

Kategorie: Allgemein

Kommentare
  1. Karola schrieb (24. Mai 2012):

    Ich denke, dass man aus jedem Lebenslauf was anständiges zaubern kann oder zaubern lassen kann. deineBewerbung zum Beispiel übernimmt gerne die Arbeit für einen und holt aus einem vielleicht vorher schlechten Lebenslauf das Beste raus. Dass es wesentlich vorteilhafter ist, gewisse Fähigkeiten und Erfahrungen vorzuweisen, ist natürlich klar.

  2. t.amide schrieb (29. Februar 2012):

    nun ja: http://youtu.be/ztD2mKDSbdY

    Christian Vock schrieb (28. Februar 2012):

    @t.amide

    Sehr geehrter Herr amide,

    besten Dank für Ihre Initiativbewerbung. Gehen wir einmal davon aus, dass ich eine Stelle als Schutzgeldeintreiber anzubieten hätte: Ihre Erfahrung bei Geldautomaten ist eine ausgezeichnete Grundlage, jedoch würde ich jemanden bevorzugen, der nicht nur Erfahrung im selbständigen Bedienen eines Geldautomaten, sondern auch im selbständigen Entfernen eines Geldautomaten hat. Wir Schutzgeldeintreiber sind in diesem Punkt etwas penibel. Ich hoffe, Sie verstehen, dass ich daher anderen Bewerbern den Vorzug geben muss.

    Sollten Sie jedoch diese Zusatzqualifikation erworben haben, würde ich mich freuen, wieder von Ihnen zu hören. Es tut mit leid, Ihnen zu diesem Zeitpunkt keine andere Antwort geben zu können und wünsche Ihnen für Ihren weiteren beruflichen Weg alles Gute.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Christian Vock

    Hans Dietiker schrieb (26. Februar 2012):

    zu t.amide: Die Arbeitswelt braucht Schleimer. Nur solche sind in der Lage unqualifizierten Vorgesetzten deren Stellung zu halten.

    t.amide schrieb (23. Februar 2012):

    Sehr geehrter Herr Vock,
    hiermit möchte ich mich bei Ihnen als Schutzgeldeintreiber bewerben. Ich habe diverse Vorkenntnisse im Eintreiben von Geld, zuletzt trieb ich am EC-Automaten der Commerzbank exakt den Betrag ein, den ich haben wollte.
    Seit längerem spiele ich schon mit dem Gedanken, mich im Bereich der Geldeintreiberei zu professionalisieren, ihre Stellenausschreibung (im Subtext) bietet mir die Chance dazu.
    Ich spreche Deutsch (fließend), Russisch (Grundkenntnisse) und Türkisch (fast verhandlungssicher).
    Ich freue mich auf eine gelungene Zusammenarbeit. t.amide

Hinterlasse ein Kommentar

*