Die ersten Worte, die ein Mensch von sich gibt, ähneln sich in gewisser Weise. Ich denke, neben den Klassikern «Mama» und «Papa» ist der kreative Spielraum hier recht gering. Das liegt vornehmlich am noch begrenzten Wortschatz, den Babys ist demnach hier kaum ein Vorwurf zu machen. Eine größere Herausforderung ist jedoch die Wahl der letzten Worte.
Ich denke, die richtigen letzten Worte zu finden, ist eine schwierige Angelegenheit. Manchmal kann man das auch einfach schlecht einschätzen. Man steckt halt nicht drin, wie man gerne salopp sagt. Da kann man sich noch so viele Gedanken machen, was die letzten Worte sein sollen und wenn man glaubt, dass es so weit ist, passiert nichts. Dann hat man seine letzten Worte schon verpulvert und lebt noch. Dann fragt vielleicht jemand danach noch nach dem Befinden und schwupps sind die letzten Worte «Danke, geht schon wieder besser.» Eigentlich ein Grund sich zu ärgern, aber dann ist man ja schon nicht mehr.
Oft ist das mit den letzten Worten auch situationsbedingt. Wenn das eigene Ableben zum Beispiel überraschend kommt. So kann ich mir vorstellen, dass in Zeiten, in denen der Gebrauch von Handfeuerwaffen zur Regelung von Konfliktsituationen noch üblich war, sich die letzten Worte oft ähnelten. Ich nehme an, dass Sätze wie «Ich nehme das Duell an!», «Nur über meine Leiche!» oder «In Deckung!» sicher häufiger prämortale Verwendung fanden.
Das Überraschungsmoment spielt also für die letzten Worte oft eine entscheidende Rolle. So ist bei Todesfällen mit kriminellem Hintergrund sicher oft zu hören «Ist da wer?» oder «Was machen Sie hier?». Auch ein «Was haben Sie da hinter Ihrem Rücken?» kann ich mir gut als letzten Satz vorstellen. Die unangebrachte Befriedigung der eigenen Neugier kann dementsprechend ausschlaggebend für die Wahl der letzten Worte sein. Hier ist also Vorsicht geboten.
Einen nicht minder bedeutenden Einfluss können neben Fragen auch überzeugend vorgetragene Aussagen haben. Insbesondere, wenn diese mit Fehleinschätzungen verbunden sind. Sollte man also nicht wünschen, dass bestimmte Worte auch die letzten sind, wären manche Einschätzungen lieber doppelt zu überprüfen. Ich denke dabei an Aussagen wie «Rechts ist frei.», «Das hält schon.» oder «Das kann gar nicht reißen.»
Auch im Alltag sollte man darauf gefasst sein, dass theoretisch jedes Wort das letzte sein kann. Oft ähneln sich jedoch bestimmte Situationen, weshalb bei manchen Sätzen entsprechende Sorgfalt geboten ist. «Die Sicherung ist draußen, ja?», «Findest Du auch, dass es hier nach Gas riecht?», «Ich denke, der Boden ist jetzt trocken.» oder «Keine Angst, ich kenne mich damit aus.» sind solche Sätze.
Es wäre zu überprüfen, ob das Vermeiden bestimmter Sätze die Überlebenswahrscheinlichkeit in heiklen Situationen erhöht. Zumindest wäre dadurch ein individuelleres Ableben gewährleistet.
Apropos schlechte Überleitung: Sollten durch einen dummen Zufall dies meine letzten Worte gewesen sein, bitte ich um Entschuldigung.
Kategorie: Allgemein

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