Manchmal bin ich ein echter Teufelskerl. Nicht unbedingt in physischer Hinsicht. Ich überquere nicht den Atlantik in einem Doppeldecker. Auch bin ich noch nie auf einer Kanonenkugel geritten oder habe ein Chili-Wettessen gewonnen. Solche Kunststücke überlasse ich anderen Teufelskerlen. Nein, mein Teufelskerlsein äußert sich eher auf gedanklicher Ebene. Da denke ich mir ganz verrückte Sachen aus. So wie neulich.

Als ich wieder einmal in Teufelskerlstimmung war, kam mir eine Idee. Was wäre, wenn es irgendwo da draußen in den Weiten des Weltalls noch einen Planeten wie die Erde gäbe? Natürlich nicht ganz genau so ein Planet wie die Erde, das wäre ja langweilig. Dann würde ich nur noch kurz erzählen, dass dieser Planet Erde II hieße und schon wäre die Geschichte zu Ende. Nein, ich wäre kein Teufelskerl, besäße dieser Planet nicht eine Besonderheit: das Phänomen der umgekehrten Probleme.

Ich will dieses Phänomen kurz erklären. Auf diesem Planeten, nennen wir ihn spaßeshalber den Planeten der umgekehrten Probleme, verläuft das Leben eigentlich ganz so wie wir hier es auch kennen. Die Menschen stehen morgens unwillig auf, schlingen viel zu hastig ihr Müsli hinunter und gehen zur Arbeit. Die Teenager sitzen gelangweilt in der Schule, bekommen irgendwann Pickel und treffen sich mit Freunden.

Doch die Besonderheit in dieser scheinbaren Normalität ist, dass die Bewohner des Planeten der umgekehrten Probleme die großen Schwierigkeiten, mit denen wir uns hier auf der Erde konfrontiert sehen, nicht mehr haben. Für all die großen Probleme hat man dort bereits Lösungen gefunden. So gibt es dort keinerlei Sorgen wegen der Energieversorgung. Man hat längst umweltfreundliche Alternativen gefunden und geht äußerst sparsam mit den Ressourcen um. Nach Anzeichen einer Klimaerwärmung sucht man auf diesem Planeten vergebens.

Auch Hungersnöte kennt man auf dem Planeten der umgekehrten Probleme nicht mehr. Die gehören schon lange der Vergangenheit an, als man sich entschloss, den Reichtum des Planeten gerecht zu verteilen. Ja, auf diesem Planeten hat jeder gelernt, zu teilen. Selbst Tiere müssen dort nicht um ihr Leben fürchten, denn die Menschen dort haben Respekt vor ihren tierischen Mitbewohnern und haben aufgehört, sie zu essen. Man kann sich vorstellen, dass an diesem Ort der Harmonie auch kein Platz mehr für Kriege ist. Waffen findet man auf dem Planeten der umgekehrten Probleme nur noch im Museum.

Doch wer angesichts solch scheinbar paradiesischer Zustände glaubt, die Bewohner dieses Planeten hätten keine Sorgen, der täuscht sich. Es gibt durchaus Probleme, doch wir von der Erde würden darüber nur den Kopf schütteln, so banal werden sie uns erscheinen. Schließlich haben wir auf der Erde ja immer noch mit den echten Problemen wie Hunger, Klimawandel oder Kriegen zu kämpfen.

Etwas, das die Bewohner des Planeten der umgekehrten Probleme zum Beispiel ständig umtreibt, ist die Frage, was die Film- und Musikstars ihres Planeten denn so treiben. Es gibt dort sogar Zeitschriften, die haben sich darauf spezialisiert und berichten pausenlos darüber, was welcher Star denn wann und wo gemacht hat und mit wem. Die Leute auf diesem Planeten glauben tatsächlich, dass das wichtig sei.

Ich glaube, damit in Zusammenhang steht eine andere Sorge auf diesem Planeten. Und zwar machen sich die Bewohner dort ständig Gedanken um ihr Aussehen. Ständig überlegen die Menschen dort, was sie wohl am besten anziehen sollen und was gerade angesagt ist. Wenn die eigene Nase nicht so aussieht wie die eines Models, dann lassen die Menschen sich dort sogar operieren. Sie glauben das nicht? Nun ja, ist ja auch meine Fantasie. Es kommt sogar noch besser: Wenn auf dem Planeten der umgekehrten Probleme jemand nicht die schicksten Klamotten anhat oder vielleicht sogar ein bisschen dicker ist, dann rümpfen die Leute dort die Nase über ihn. Manche mobben andere sogar wegen ihres Aussehens. Ja, auf so einem Planeten möchte ich nicht leben.

Das größte Problem für die Bewohner des Planeten der umgekehrten Probleme, ist aber die Frage, was man sich als nächstes kaufen soll. Das hört sich absurd an, aber diese Frage treibt die Bewohner manchmal zur Verzweiflung. Dieser Konsumwahn geht sogar so weit, dass die Menschen sich dort ständig Sachen kaufen, die sie überhaupt nicht brauchen. Die Industrie auf dem Planeten ist natürlich nicht dumm und erfindet ständig neue Sachen, die man nicht braucht und die Leute kaufen sie trotzdem. Klingt alles ziemlich verrückt, ich weiß. Aber größere Sorgen haben die dort einfach nicht.

Apropos schlechte Überleitung: Ich wache manchmal schweißgebadet auf, weil geträumt habe, dass bei uns auf der Erde auch das größte Problem die Frage wäre, was man sich als nächstes kaufen soll. Ganz schön schräg, was?

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Kategorie: Allgemein

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