Ich bin zugegebenermaßen ein eher stiller Mensch. Manch einer würde sicher über mich sagen, ich sei introvertiert. Das mag daran liegen, dass ich gerne einmal nichts sage. An manchen Tagen kann ich stundenlang schweigen. Was für mich mein Naturell ist, bereitet mir jedoch manchmal Unannehmlichkeiten, insbesondere in einer Welt, in der das Laute das Regiment führt. Oft genug werde ich angesichts meiner Lärmlosigkeit nämlich einfach übersehen. Ein Phänomen, das mir in Restaurants oft genug lange Wartezeiten beschert hat.

Nun begab es sich vor einiger Zeit, dass ich aus beruflichen Gründen ein Buch über Suchmaschinenoptimierung gelesen habe. Wer gerade nicht so genau weiß, was Suchmaschinenoptimierung bedeutet: In so einem Buch stehen eine Menge Tipps, wie man es schafft, dass die eigene Internetseite bei der Trefferanzeige einer Suchmaschine möglichst weit oben steht. In den Suchergebnissen weit oben zu stehen, das gebietet schon die Logik, erzeugt natürlich die größte Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist im Internet die Währung mit dem höchsten Kurs.

Das ist bezüglich meines eingangs erwähnten Verhältnis‘ zur Stille insofern faszinierend, da im Internet die Macht des Lauten gebrochen ist. Auf dem Fischmarkt strömen die Menschen zu dem Stand, dessen Verkäufer am lautesten schreit. Im Internet hingegen nützt eine schreiende Webseite eher wenig. Dementsprechend muss man sich andere Tricks ausdenken, um Gehör zu finden. Als Befürworter eines stillen Lebenswandels kommt mir diese Herangehensweise natürlich entgegen und umso interessierter las ich die Ratschläge.

So wird in diesem Buch grundsätzlich empfohlen, dass man auf seinen Internetseiten auf die Qualität der Inhalte großen Wert legen sollte, schließlich würden Suchmaschinen Seiten mit guten Inhalten bevorzugt behandeln. Solches Qualitätsbewusstsein hätte ich einer Suchmaschine zwar nicht zugetraut, trotzdem gefällt mir diese Einstellung. Zudem sollte die Seite so übersichtlich wie möglich gestaltet sein, das erhöhe die Benutzerfreundlichkeit. Ich ärgere mich selbst oft genug über schlechte Internetseiten, von daher ist es gut, dass Suchmaschinen und ich auch in diesem Punkt auf einer Wellenlänge sind.

Doch Suchmaschinen reicht es nicht, dass die Inhalte qualitativ hochwertig sind, sie sollten auch in einer gewissen Form präsentiert werden. Wichtig seien hier insbesondere sogenannte Keywords. Man solle darauf achten, dass in Bezug auf das Thema der Webseite, auch bestimmte Schlüsselwörter im Text stehen, damit die Suchmaschine gleich weiß, worum es bei dieser Seite geht. So sollte beispielsweise bei einem Artikel, in dem es ums Angeln geht, zumindest die Schlüsselwörter Fisch und Angeln fallen.

Ein Tipp, der mir besonders einleuchtete, war, dass man dafür sorgen sollte, dass man auch hübsch von anderen Internetseiten verlinkt wird. Das würde die Suchmaschine als eine Art Empfehlung auffassen und Empfehlungen sind ja immer gut. Man müsse nur darauf achten, dass die verlinkende Seite auch ein gutes Ranking hat. Eine Empfehlung von einer schlechten Seite würde den eigenen Ruf schädigen. Das konnte ich nachvollziehen, schließlich bin ich von Natur aus ein misstrauischer Mensch.

Einer Laune meiner Sprunghaftigkeit folgend, beschloss ich, mein neu erworbenes Wissen auf seine Tauglichkeit bezüglich meines Wahrnehmungsdefizits in Restaurants zu testen. Beim nächsten Restaurantbesuch hielt ich mein äußeres Erscheinungsbild dementsprechend zwar qualitativ hochwertig, aber dennoch so schlicht wie möglich. Kein unnötiger Schnickschnack, der vom eigentlichen Inhalt ablenken könnte. Man sollte mir nicht nachsagen, dass ich die Benutzerfreundlichkeit bereits bei meinem Aussehen vernachlässigen würde.

Mit dem Ziel, dem Kellner die bestmögliche Information zukommen zu lassen, eröffnete ich bereits nach dem Eintreten meinen Wunsch, in diesem Restaurant speisen zu wollen. Als Schlüsselwörter wählte ich: «Restaurantbesuch, Tisch, zwei Personen, Essen, Bestellung, Beeilung, Trinkgeld, reichlich».

Zum Beweis, dass ich ein in Fachkreisen akzeptierter Restaurantbesucher bin, wollte ich meine Qualität durch einen entsprechenden Linkaufbau unterstreichen. Ich wählte mir hierzu ein älteres Paar, das bereits sein Essen serviert bekommen hatte. Wer sein Essen schon hat, dachte ich bei mir, dessen Ranking kann in diesem Restaurant nicht allzu schlecht sein. Zu dessen Überraschung bat ich daher dem Mann einen Linktausch an. Sollte er mich dem Kellner als einen ausgezeichneten Restaurantbesucher vorstellen, würde ich im Gegenzug an dieser Stelle die anderen Anwesenden auf seinen Elektrokleinhandel, den er, wie sich herausstellte, nicht unweit meines Büro betrieb, verweisen. In gleicher Weise wollte ich mit den übrigen Gästen verfahren, die bereits ihr Essen serviert bekommen hatten.

Zu meinem völligen Unverständnis, bat mich der Kellner während meines Linkaufbaus jedoch, das Restaurant augenblicklich zu verlassen. Ich nehme an, dass ich eingangs einfach die falschen Keywords gewählt habe.

Apropos schlechte Überleitung: Manchmal hat das Internet mit dem richtigen Leben nichts zu tun. Bisweilen bedauere ich dies.

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Kategorie: Allgemein

Kommentare
  1. Schreiberling schrieb (16. März 2013):

    Nützliche Informationen zu Suchmaschinenoptimierung und allem was mit dem Internet zusammenhängt, gibt es unterhttp://www.wirtschaft.com/nachrichten/magazin oder auch http://www.wirtschaft.com/nachrichten/entrepreneur

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